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Kanzlerin und Vize-Kanzler stellen sich den Medien
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27.06.2010
„Auf die Regierung einprügeln, ist Gratismut
Interview mit Hans Mathias Kepplinger

Die Regierung ist am Ende - selten waren sich die Medien in einer Bewertung so einig. Der Kommunikationswissenschaftler Hans Mathias Kepplinger kritisiert im Gespräch mit Cicero Online diese "übertriebene" Form der Skandalisierung. Seine These: Viele Journalisten überschätzen sich selbst und haben eigene Machtfantasien.

Herr Kepplinger, der Spiegel und viele andere sind sich einig. Die Bundesregierung ist am Ende. Übertreiben die Medien?
Ja, sie übertreiben gewaltig. An der Bundesregierung kann berechtigte Kritik geäußert werden. Seit den Koalitionsverhandlungen haben sich die Medien aber in das Gefühl hineingesteigert, dass man die Regierung stürzen könne und müsse. Dies alles muss man sehen vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Deutschland weitaus weniger unter der Finanz- und Wirtschaftskrise leidet als alle anderen westlichen Industrienationen, was auch ein Verdienst der von Frau Merkel geführten Regierungen ist. Hier fehlen zuweilen die Maßstäbe. Im Übrigen fehlt vielen Journalisten auch das Verständnis für die Verfahrensprobleme in der Politik und die dadurch bedingte Entscheidungsdauer.

Wie kommt es dazu?
Die Gründe für die Negativberichterstattung sind komplex. Ein Grund war die unrealistische Erwartung, Merkel könne mit einem kleinen Koalitionspartner „durchregieren“. Die Folge waren enttäuschte Erwartungen bei den konservativen Medien. Ein weiterer Grund war der Wahlsieg der liberal-konservativen Parteien. Die Folge war der entschlossene Angriff der linksliberalen Medien. Ein dritter Grund waren offensichtliche Fehler, wie die die Senkung der Mehrwertsteuer für Hotels und der Auftritt von Außenminister Westerwelle in Warschau.

In wie weit wird die Krise der Bundesregierung durch diese skandalisierende Berichterstattung verschärft?
Enorm. Kaum einer liest so viele aktuelle Berichte, wie derjenige, über den berichtet wird. Dadurch ist das Wirkungspotential der medialen Kritik auf die betroffenen Politiker oder Parteien erheblich größer als auf die Masse der Menschen, die die Berichterstattung als unbeteiligte Beobachter verfolgen. Außerdem sind viele dieser Berichte emotional erregend – aus Sicht des Politikers beleidigend, ungerecht oder schlicht falsch. Dies verstärkt die ohnehin schon starke Wirkung. Und es kommt noch etwas hinzu: Alle Menschen glauben, dass sich negative Medieneffekte bei anderen stärker niederschlagen als bei ihnen selbst. Wir glauben beispielsweise, Gewaltdarstellungen schädigen andere, uns aber nicht. Deshalb vermuten Politiker, dass die Kritik an ihnen oder ihrer Partei besonders starke Effekte auf die Wähler insgesamt besitzt. Zweifellos gibt es solche Wirkungen, Politiker nehmen sie aber übertrieben war. Das alles verunsichert sie und verschärft eine Krise, weil einige die Nerven verlieren, andere ihre Chance wittern und wieder andere sich von Medien instrumentalisieren lassen.

Warum lehnt sich die Bundesregierung dann nicht gelassen zurück?
Die Betroffenen können sich negativen Effekten nur bedingt entziehen, selbst wenn sie darüber Bescheid wissen. Auch Leute, die ständig in der Öffentlichkeit stehen, werden von solchen Medienberichten nach wie vor berührt. Sie werden nicht abgehärtet. Emotionen sind schließlich automatische Reaktionen, die man nur sehr schwer steuern kann.

Wenn gestandene Kommentatoren und Journalisten von der „schlechtesten Regierung aller Zeiten“ sprechen, ist das dann nicht vor allem Ausdruck verbaler Hilflosigkeit?
Das ist eher ein Ausdruck von Selbstüberschätzung und Machtfantasien. Besonders extrem war das nach dem Abgang von Horst Köhler. Spiegel Online bezeichnete ihn als „Absteiger des Jahres“, die Frankfurter Allgemeine Zeitung als „präsidialen Rohrkrepierer“ und die Süddeutsche Zeitung als „Null-Bock-Horst“. Im deutschen Journalismus gibt es die Tendenz, Politiker in unverschämter Weise abzukanzeln. Dazu ein Gedankenexperiment: Man stelle sich vor, Roland Koch hätte Nikolaus Brender wegen der gesunkenen Quoten der von ihm verantworteten Sendungen einen Versager genannt, der an seinem Sessel klebt. Die Journalisten wären zu Recht empört gewesen, aber dieser Ton ist inzwischen üblich bei der Kritik an Politikern.

Was sind die Gründe dafür?
Der Hauptgrund liegt in einer schleichenden Machtverlagerung von der Politik auf die Medien. Anfang der 70er Jahre waren die Eliten in Politik und Medien übereinstimmend der Meinung, dass die Politik mehr Macht hat als die Medien. Knapp vierzig Jahre später, 2008, waren die Bundestagsabgeordneten und die Hauptstadtkorrespondenten übereinstimmend der Meinung, dass die Medien mehr Einfluss auf die Politik haben als die Politik auf die Medien. Aus Sicht der Führungseliten in beiden Bereichen hat es demnach eine Machtverlagerung von der Politik auf die Medien gegeben. Noch deutlicher wird dies bei der Frage, wie viel Macht die Politik und die Medien haben sollen. Die Bundestagsabgeordneten wollten ein Machtgleichgewicht, also etwas mehr Macht für die Politik und etwas weniger für die Medien. Die Hauptstadtjournalisten wollten dagegen die eindeutige Übermacht – also noch mehr Macht für die Medien und noch weniger für die Politik. Hier zeigt sich ein Machtanspruch, der mit den Grundlagen einer repräsentativen Demokratie nur schwer vereinbar ist.

Sie erwähnten bereits die Berichterstattung über Horst Köhler. Wie kommt es überhaupt zu so etwas?
Bei einer sachgerechten Beurteilung der Reaktionen auf den Rücktritt Köhlers muss man drei Fragen unterscheiden. Erstens: War Köhlers Kritik an der Berichterstattung über seine Äußerungen zu Militäreinsätzen sachlich berechtigt? Die Antwort ist ja, weil sie von einigen Journalisten in einen von ihnen selbst konstruierten Kontext gestellt wurden. Hier hätte man von Journalisten eine eindeutigere Kollegenkritik erwarten können. Die zweite Frage lautet: War die irreführende Berichterstattung über Köhler und die Kritik an ihm ein hinreichender Grund für seinen Rücktritt? Die Antwort lautet nach allgemeiner Meinung: Nein. Und drittens: Rechtfertigte der unberechtigte Rücktritt von Köhler die zum Teil maßlosen Herabsetzungen seiner Person? Die Antwort darauf lautet aus meiner Sicht: Nein. Mit einer sachlich begründeten Kritik hatten viele der Äußerungen nichts zu tun. Ein Bundespräsident verdient auch dann Respekt, wenn man seinen Rücktritt für falsch hält.

Warum haben dann viele Medien in dieser Weise kommentiert und berichtet?
Aufschlussreich ist der Vergleich der Reaktionen auf die Rücktritte von Horst Köhler und Roland Koch. Koch war über Jahre der Lieblingsfeind vieler Medien, aber bei seinem Abgang zeigten selbst sie leichte Trauer. Köhler war lange Zeit der Darling einiger Medien, bei seinem Rücktritt sind aber nahezu alle über ihn hergefallen. Wie kann man diesen Unterschied erklären? Die Hauptursache lag nicht im Verhalten der Politiker in der Vergangenheit, sondern in der Begründung ihres Rücktritts. Koch begründete seinen Rücktritt mit seiner Lebensplanung, Köhler mit der medialen Kritik an ihm und ihren Folgen. Das grenzte an Majestätsbeleidigung und musste bestraft werden, indem man ihn als nichtswürdigen Kerl charakterisierte, den man nicht ernst nehmen darf.

Wissen die betreffenden Journalisten und Medien denn was sie da tun?
Das glaube ich nicht. Viele Journalisten versetzten sich nicht genügend in die Rolle der Betroffenen, und wenn sie in diese Rolle geraten, sind sie entsetzt. Ein Beispiel: Viele Journalisten googeln ihre Namen im Internet, um zu sehen, wie ihre Medienbeiträge angekommen sind. Wenn sie auf unsachliche oder beleidigende Kommentare stoßen, sind sie empört und beklagen sich im persönlichen Gespräch darüber. Die gleichen Leute, die mit gewaltigen Schlägen auf andere einprügeln, reagieren höchst sensibel, wenn es um sie selbst geht. Aber die meisten leiten daraus keine Folgerungen für ihr eigenes Verhalten ab. Es herrscht ein Mangel an Bewusstsein über den Effekt, den öffentliche Kritik auf die Kritisierten ausübt.

Bedienen Medien mit dieser Art Berichterstattung nicht aber auch Wünsche der Leserschaft nach klarer Orientierung?
Das kommt dazu, ist aber oft keine hinreichende Rechtfertigung. Mit besonders zugespitzten Formulierungen findet man natürlich am ehesten Resonanz – sowohl im Publikum wie auch unter den Kollegen. Am deutlichsten wir dies natürlich bei der Skandalisierung von mehr oder weniger großen Missständen.

Wie kann ein solcher Kreislauf überhaupt durchbrochen werden?
Seit mehreren Jahrzehnten gibt es in Deutschland thematische Skandalwellen – Skandale um Lebensmittel, um Umweltschädigungen, um Steuerhinterziehung usw. Es beginnt meist mit einem Schlüsselereignis, an das meist weniger bedeutende Fälle angekoppelt werden. Solche Wellen ebben nach einiger Zeit wieder ab, weil sich im Journalismus und im Publikum Langeweile und Überdruss einstellt. Vermutlich wird aus ähnlichen Gründen auch die übertriebene Kritik an der Bundesregierung bald wieder abnehmen.

In was für einem Zeitraum rechnen Sie damit?
Die Wellen massiver Kritik an Politikern und Parteien dauern in der Regel circa drei bis sechs Monate, gelegentlich auch länger. Im konkreten Fall hängt das davon ab, ob Ereignisse geschehen, die in das etablierte Negativ-Schema passen oder – wie das falsch interpretierte Köhler-Zitat – passend gemacht werden können. Wenn die Bundesregierung keine gravierenden Fehler mehr macht und Wulff zum Bundespräsidenten gewählt wird, dürfte sich das mediale Erscheinungsbild in den nächsten Wochen verbessern. Falls er nicht gewählt wird, erhält die Kritik neue Nahrung und wird entsprechend länger dauern, obwohl der mit den sachlichen Herausforderungen, vor denen die Regierung steht, wenig zu tun hat.

Kann eine Regierung gegen eine solche Medienfront überhaupt regieren?
Theoretisch ja, praktisch kaum. Entweder sie bricht vorher auseinander, weil einige die Nerven verlieren, oder sie wird am Ende der Legislaturperiode abgewählt. Nehmen Sie die Kanzlerschaft von Gerhard Schröder und die Kritik an der Agenda 2010. Sie war mindestens so stark wie die jetzigen Reaktionen. Und der Ansehensverlust der damaligen Regierung war auch mindestens so groß wie heute. Hätte Schröder die Situation ausgesessen, dann hätte er die Bundestagswahl wahrscheinlich hoch gewonnen und wäre immer noch im Amt, weil er die positive Ernte seiner Arbeit selbst hätte einfahren können.

Es fällt derzeit noch etwas auf: Viele Medien kommentieren sehr ähnlich, egal ob taz oder FAZ. Warum gibt es kaum noch mediale Kontroversen?
Die Journalisten haben sich – wie die Angehören aller Berufe – schon immer an ihren Kollegen orientiert. Nur geschah dies bei den Journalisten viel schneller als etwa bei den Ärzten. Diese Ko-Orientierung hat sich im Journalismus durch das Internet enorm beschleunigt und ausgeweitet. Innerhalb weniger Minuten können sich praktisch alle Journalisten im Netz informieren, was die anderen zum Hauptthema machen und wie sie es bewerten. Dadurch entstehen kollektive Vorstellungen davon, was wichtig und richtig ist, und wer davon abweicht gilt als realitätsblind oder unbelehrbar.

Ziemlicher harter Tobak.
Schon. Dass solche Vorstellungen oft falsch sind, zeigt die Berichterstattung über SARS oder die Vogelgrippe, ändert aber nichts an dem Konformitätsdruck der herrschenden Sichtweisen. Innerhalb dieses Netzwerks gegenseitiger Beobachtung gibt es Meinungsführer, darunter der Spiegel, die FAZ, Spiegel Online und Bild.de. Eine Folge ist das skizzierte Rudelverhalten im Journalismus. Allerdings ist die Situation deutlich anders, wenn es um grundlegende Wertfragen geht. Ein Beispiel ist die Diskussion um die Abschaffung der Wehrpflicht, in der schnell gegensätzliche Lager entstanden sind. Die Bundesregierung hat es allerdings durch ihr eigenes Verhalten schwer gemacht, eine Position gegen den gegenwärtigen Mainstream aufzubauen.

Übertreiben Sie jetzt nicht ein wenig?
(lacht). Ganz ehrlich: Ein Journalist, der sich heute ohne einen gravierenden Anlass für die Bundesregierung einsetzt, würde sich im Kollegenkreis doch lächerlich machen. Das Risiko kann er nicht eingehen. Das ist erst dann wieder möglich, wenn es der Koalition gelingt, eines ihrer schwelenden Probleme zu lösen. Dann können auch wieder mehr Journalisten positiv über die Regierung berichten.

Und bis dahin?
… gilt ein schöner Begriff von Hans Magnus Enzensberger, nämlich der vom Gratismut. Es gehört im Moment wirklich kein Mut dazu, auch dann auf die Regierung Merkel einzuprügeln, wenn der Anlass kaum Substanz besitzt, so wie es auch Gratismut war in ihrer Endphase auf die Regierung Schröder einzuprügeln.

Herr Kepplinger, herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Marc Etzold


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Leserkommentare
rf (brl) 27.08.2010
mal ein anderer Blickwinkel auf uns zur Abwechslung ....
Indigo (Niedersachsen) 30.07.2010
Herr Kepplinger hätte sich schon viel früher äußern können, nämlich als die ganze Medienmeute über Ysilanti und Lafontaine hergefallen ist. Sein aktuelles Interview ist letztlich auch nur "Gratismut"
Und der Hinweis eines Leserkommentators, dass der Medienkonzern DDVG mehr Einfluss ausübt als Springer und Bertelsmann ist schlechtweg ein (schlechter) Witz.
() 30.07.2010
@Sebastian (Deutschland):
"So wie sich in der selbständigen Wirtschaft bestimmte durchsetzungsfähige und wirtschaftlich ehrgeizige Menschen zuhause fühlen, so bleibt der Journalismus das Biotop der mehr oder weniger Idealisten und Ideologen, die die Welt vom Schreibtisch „verbessern“ (subjektiv) wollen."

Das stimmt und ist schön wertneutral formuliert, danke.

@jodokus (Niedersachsen):
"Es gibt einen linken Meinungskonzern der einflusstechnisch wesentlich mehr Macht hat als Springer und Bertelsmann zusammen: Die DDVG, zu 100% im Besitz der SPD."

Die Linke Vorherrschaft in den (deutschen!) Medien kann man auch damit bestehtigen, dass die ganz überwiegende Mehrheit der Journalisten sich selbst als "links" oder "irgendwie links" einstuft. Wie könnte eine "rechts-konservativ" (Wissen Sie überhaupt, was das bedeutet?) Medienlandschaft mit solchen Personal funktionieren? Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
Überhaupt ist die völlig subjektive Befindlichkeit des "Journalistenmilieus" entscheidend in vielen politischen Fragen. Und das auf völlig undemokratische Art und Weise den der Journalistenberufe ist ein eben ein Beruf wie jeder andere. Nicht besser, aber bestimmt auch nicht schlechter.

Zur politischen Kultur:
Ein Spiel: Frage einen Durchschnittsmann auf der Straße nach seiner politischen Einstellung. Du wirst mit ziemlicher Sicherheit irgendwas mit "links" hören.
Zweiter Versuch. Frage einen durchschnittlichen, politischen nicht sonderlich aktiven Jugendlichen auf der Straße, was er unter "Rechts" (im politischen Sinne) versteht. Du wirst zweifellos in erster Linie Antworten erhalten, die den Begriff "rechts" mit irgendwas wie "Kampf gegen Rechts" verbinden - also "rechts" nicht als Beschreibung für eine konservative/bürgerliche Grundhaltung oder für den Wunsch ein "gottgefälliges" Leben zu führen, sondern bereits "rechts" als Bezeichnung für einen Radikalismus.

Es ist klar, dass, wenn Leute unter diesen Bedinungen vor die Frage gestellt werden, ob sie eine rechte oder linke Einstellung vertreten, die linke wählen. Daher gibt es in Deutschland viele Positionen nicht. "Neoliberal" ist ja eigentlich amerikanishc für "sozialdemokratisch", hier in Deutschland schon ein Schimpfwort für an wirtschaftliche Mittel orientierte politische Menschen.
P.A. (München) 30.07.2010
Ausgezeichneter und sehr interessanter Artikel!
klein (trier) 19.07.2010
Zunächst ein Kompliment dafür, dass Sie dieses Interview überhaupt abgedruckt haben. Ich stimme Herrn Kepplinger voll zu: "Viele Journalisten überschätzen sich selbst und haben eigene Machtfantasien." Wie einfach ist es doch, auf unqualifizierte und Menschen verachtende Art und Weise über Politiker herzufallen. Fundierte differenzierte Analysen erfordern Sachkenntnis und die Anstrengung des Begriffs. Ob aus Unfähigkeit oder Böswilligkeit wird häufig der einfache Weg gewählt: einfach undifferenziert drauf hauen! Hier kommt es auf den aufgeklärten Leser an, der die Machart durchschaut, sich abwendet und sich ein eigenes Urteil bildet. Wie weit die Resignation verschiedener Politiker, die von ihrem Amt zurücktreten, auch mit der unqualifizierten und quasi verleumderischen Meinungsmache zu tun hat, sollte nicht außer Acht gelassen werden.
jodokus (Niedersachsen) 13.07.2010
@ Hans (Gotha): Es gibt einen linken Meinungskonzern der einflusstechnisch wesentlich mehr Macht hat als Springer und Bertelsmann zusammen: Die DDVG, zu 100% im Besitz der SPD.
Hans (Gotha) 08.07.2010
@Sebastian: Dieser Punkt ist oft zu hören, nur - zustimmen kann ich ihm nicht. Auf der einen Seite haben wir mit BILD, FAZ und WELT drei mächtige Printmedien, die natürlich nicht etatistisch-links schreiben. Auf der anderen Seite gibt es SPIEGEL (mit Abstrichen, siehe Steingart, et al.), SÜDDEUTSCHE und vielleicht noch die TAZ, als eher linksliberale Meinungsmacher. Ich sehe die Balance ausgeglichen und wenn schon, dann eher Richtung rechts-konservativ kippend. Gibt es denn einen linken Meinungskonzern, eunflusstechnisch vergleichbar mit seinen rechten "Konkurrenten" SPRINGER & BERTELSMANN?
Sebastian (Deutschland) 30.06.2010
Die Nachrichtenmacher steuern in einer Mediendemokratie das Image von Politikern und Parteien. Das Image ist einer der wichtigsten Faktoren für den Wahlerfolg/-misserfolg. Ebenso werden medial Feindbilder ("Agenda-Schröder", "Neoliberalismus", "Westerwelle" u.s.w.) geschaffen und immer wieder angeheizt. Die meisten Nachrichtgestalter und -multiplikatoren sind grün-links. Das ist halt so. Dieser Beruf bzw. diese einflussreiche gesellschaftliche Position hat auf bestimmte Charaktere und Bedürfnisse anziehende Wirkung. Diese bilden den Mainstream der Medien. Der Mainstream wechselt im Laufe der Zeiten den Umständen angepasst die Farbe, bleibt aber in der Art gleich. So wie sich in der selbständigen Wirtschaft bestimmte durchsetzungsfähige und wirtschaftlich ehrgeizige Menschen zuhause fühlen, so bleibt der Journalismus das Biotop der mehr oder weniger Idealisten und Ideologen, die die Welt vom Schreibtisch „verbessern“ (subjektiv) wollen.
In diesem Biotop werden ein paar exotischen altbürgerlichen Ausnahmen geduldet, so lange sie nicht zu sehr vom von der Mehrheit geforderten Vorab-„Konsens“ („Schere im Kopf“) abweichen.
Das war so, ist so, bleibt so. Diese Feststellung entspricht nicht dem vorgetäuschten (teils auch selbstgetäuschten) Ideal eines vermeintlich „unabhängigen“, „ehrlichen“ Journalismus. Aber der Journalismus wird eben von Menschen mit zum erheblichen Teil vorgeprägten Meinungen und Weltanschauungen gemacht. Und im Medienbereich ist diese Prägung eben etatistisch-links. Das ist weder gut noch schlecht. Es ist eine Gegebenheit, mit der Politiker umgehen lernen müssen und sozusagen sozialevolutionär auch gut an die Mediendemokratie angepasste Politiker überleben bzw. Erfolg haben werden. So war Schröder in seiner Vor-Reform-Zeit noch der mediale Liebling und Angela Merkel war als Teflon-Angela der Großen Koalition, die sozialdemokratische Politik macht auch medial noch relativ beliebt. Wenn die schwarz-gelbe Regierung, die von den Medien als permanente Reformbedrohung inszeniert wird, weggeschrieben ist, wird wieder eine Große Koalition übernehmen können und die Medien werden wieder positiver berichten. Jede Welle des künstlich geschaffenen Zorns ebbt auch wieder ab. Bis die nächste kommt ist es dann wieder etwas ruhiger.
snowparrot () 29.06.2010
Habe auf meinem Blog die schönsten Zitate dieses brillianten Interview genommen.
http://alupia.wordpress.com/2010/06/29/zwei-artikel/
Fassl (55268 Nieder-Olm) 28.06.2010
Ausgezeichnet! Wer nicht selbst einmal in einer medienverstärkten Abwertungswelle mit seiner Familie unterzugehen drohte kann nur Kollegen Kepplinger zustimmen
Nema () 27.06.2010
Der medial-politische Komplex:
Wer hat noch die Kompetenz? Und wer hat die Kompetenz-Kompetenz? Hat der die Kompetenz, der sie tatsächlich hat, oder doch derjenige, der sie ihn zusprich? Wie werden die Empfänger der Befehle über die Befehle informiert? Wissen die Empfänger, was wirklich von Oben kommt oder interpretieren sie das, was von Oben kommt per Augenmaß aus der Erwartungshaltung, die die Medien aufgebaut haben?

Und vor allem: Wenn die Journalie allgemein sich als Links bezeichnet, haben Konservative im Großen und Ganzen noch eine Chance?
David_ (Berlin) 27.06.2010
Gratismut vs. Gratisselbstkritik.

Journalisten sind auch nur Menschen.

Abhängig vom Wohlwollen Ihrer Leser.

Gegängelt und gemobbt von der Politik.

Anbiedernd um Ihren Arbeitsplatz besorgt.

Teilweise blöd und untertänig.

Narzistisch.

Bestochen.

Geprägt von Ihrer eigen Sozialisierung.

Ich sage nur aktuell: "Innerer Reichsparteitag eines M. Klose".

Wirklicher Journalismus findet eigentlich nicht mehr statt.
Eher Nachrichtenweiterleitung.

Welcher Journalist wettert eigentlich permanent gegen den Krieg in Afghanistan?

Welcher Journalist wettert eigentlich permanent gegen die soziale Destabilisierung in unserer Gesellschaft?

Welcher Journalist wettert eigentlich permanent gegen die Verrohung in unserer Gesellschaft?

Welcher Journalist wettert eigentlich permanent gegen die mafiosen Praktiken in unserer Bauwirtschaft?

...

Sie haben Angst!
Ich verstehe das.

...

Vor kurzem ein Besuch eines Freundes in einer renommierten Redaktion. Gestylte Empfangsdame, ausgesuchte Kunstdrucke, smarte Milchbubigesichter, Afterworklaunch, ...

Was will man von diesen Leuten erwarten ausser Sicherung ihres Ambiente und Bedienung derer die ihnen das ermöglichen.

Tiefer gehende Fragen werden nicht gestellt!

Ich sehe das nicht negativ.

Rechnungen, Zahnspangen für die Kinder, neues Auto, Urlaub, Kredite, ...

Sie sind eben nur Menschen wie alle anderen.

Freude und Angst.

Vollkommen normal.

Nicht übermenschliches.

Die Frage ist nur: Ist das die 4 Gewalt im Staat?

Helden gibt es in diesem Land nicht, auch nicht unter Journalisten.

Die 2-3 die es gibt - bestätigen diese Aussage.

...

..

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Hans Mathias Kepplinger ist Professor für Empirische Kommunikations- forschung am Institut für Publizistik der Universität Mainz. Sein Forschungs- schwerpunkt ist die Darstellung von Skandalen in den Medien.


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