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Sean Aiken als Feuerwehrmann in Woche 47.
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20.06.2010
Interview mit Sean Aiken
Er ist gerade erst mit der Uni fertig und hatte bereits 52 Jobs. Nach dem Abschluss wusste der Kanadier Sean Aiken wie unzählige andere junge Menschen nicht, welchen Beruf er ergreifen sollte. In der Hoffnung, seine wahre Leidenschaft zu entdecken, wechselte er ein Jahr lang jeden Montag den Job. Auf seiner Webseite konnten ihm Arbeitgeber beliebige Tätigkeiten für eine Woche anbieten. Mit Cicero Online sprach er über sein Projekt.
Sie haben einen sehr ungewöhnlichen Weg gewählt, herauszufinden, was Sie gerne machen möchten. War Ihr Leidensdruck größer als bei anderen Personen?
Meine Freunde hatten Pläne, nur ich wusste nicht einmal, in welche Richtung ich mich orientieren soll. Damit habe ich mich sehr allein gefühlt. Nachdem das Projekt angelaufen war, haben mir jeden Tag Dutzende Personen jeden Alters geschrieben, die sich identifizieren konnten. Es war hilfreich, zu sehen, dass nahezu jeder irgendwann vor der Frage steht: „Was soll ich mit meinem Leben machen?“. So habe ich sogar einen Sponsor gefunden.
Welches war die größte Herausforderung?
Definitiv die Organisation. Ich bin über 75 000 Kilometer getrampt und Bus gefahren. Oft habe ich erst zwei Tage vorher gewusst, wo ich in der nächsten Woche sein werde. Jede Woche von vorne: Neue Menschen, neue Stadt, neuer Job.
Das hört sich anstrengend an. Gab es einem Punkt, an dem Sie das Projekt abbrechen wollten?
Nein, es gab Momente, in denen ich keine Lust mehr hatte aber ich habe jeden Tag so viele Erfahrungen gesammelt, dass aufhören nie in Frage kam.
Was war in dieser Zeit die beste Erfahrung?
Die Feststellung, dass ich unglaublich lernfähig bin und nahezu jede Situation zu einem Erfolg führen kann. In einer Woche habe ich bei einem Yoga-Lehrer gearbeitet. Am Montag meinte er „Freitag wirst du Unterricht geben“. Ich hatte kaum eine Vorstellung, worum es bei Yoga geht, aber wir haben die ganze Woche trainiert und Freitag habe ich die Stunde gegeben – natürlich für Anfänger. (lacht)
Es gab also keinen Job, an dem Sie gescheitert sind?
Doch, ich habe als Stock-Trader gearbeitet und hatte eine tolle Aktie im Auge, leider habe ich dann 1 000 Dollar vom Kunden verloren. Ups.
Sie haben auch als Kammerjäger gearbeitet und gesagt, es hat Spaß gemacht. Welche Jobs haben Sie denn abgelehnt?
Kammerjäger ist auf jeden Fall einer der Berufe, in denen man sich gebraucht fühlt (lacht). Ein Job, den ich zum Beispiel abgelehnt habe, kam von einem Nachrichtenprogramm. Ich hätte dort während der Ansagen strippen sollen. Ich schätze, dafür bin ich zu verklemmt. Und einen Schwulen-Porno wollte ich auch nicht drehen. Ich schätze, dafür bin ich zusätzlich zu hetero. (lacht)
Dann zu den Jobs, die Sie angenommen haben. Welches war der schlechteste?
Ich habe in einem Sumpf gearbeitet und dort Rohrkolben geerntet. Das war furchtbar, es stinkt und man sitzt 12 Stunden im 35°C warmen Wasser.
Kann man in einer Woche überhaupt genug über einen Job lernen?
Ja, ich habe vor allem Jobs gewählt, bei denen ich viel machen konnte. Ich habe mir Mühe gegeben, viele Eindrücke mitzunehmen und war immer zufrieden damit.
Was glauben Sie, warum die Leute Sie eingestellt haben?
Manche, weil sie die Situation selbst kannten oder da sie so von ihrem Job überzeugt waren, dass sie ihn mir zeigen wollten. Definitiv waren auch viele am Marketing-Effekt interessiert.
Sie hatten also 52 Arbeitgeber, was macht einen guten Arbeitgeber aus?
Dass er die Vision des Unternehmens vermittelt und du verstehst, was dein Beitrag ist. Ich hatte den Eindruck, dass viele Arbeitgeber das vergessen. Außerdem habe ich jede Woche wieder gefragt, was den Leuten an ihrem Job gefällt und sie haben fast immer gesagt „die Leute, mit denen ich arbeite“.
Und jetzt wollen wir natürlich noch wissen, ob Sie Ihren Traumjob gefunden haben.
Ich will nicht im Büro arbeiten, aber auch nicht im Sumpf. Es gab einige Jobs, die toll waren, ich will auf jeden Fall einer lehrenden Tätigkeit nachgehen. Ich weiß jetzt vor allem, welche Faktoren mich in einem Job glücklich machen. Außerdem ist mir klar geworden, dass ich nicht nur den Job mögen muss, sondern auch die Lebensumstände und den Lebensstandard, den er mit sich bringt.
Die Fragen stellte Jessica Vanscheidt
Sean Aiken: The One-Week Job Project: One Man, One Year, 52 Jobs. Villard, 320 Seiten, Sprache: Englisch, 12,99 Euro. |