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Dieter Lenzen
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10.06.2010
Auf Spuren von Bologna
von Fenja Mens

Seit 1999 die Bologna-Erklärung unterzeichnet wurde, hat sich die deutsche Universität dramatisch verändert. Aktuell zeigt das die Universität Hamburg mit ihrem neuen Präsidenten Dieter Lenzen. Fenja Mens schreibt über einen Prozess, der auch im offiziellen Jahr der Vollendung noch immer unterschiedlich verstanden wird.

Jedes Jahr gibt sich Universitätspräsident Dieter Lenzen ein Motto. Für 2010 ist es ein Wort des Kolumbus. Es lautet: “Die See wird allen neue Hoffnung bringen, so wie der Schlaf die Träume, daheim.” Das klingt wie ein Psychoplazebo und für den breitschultrigen Glatzkopf Lenzen, der binnen sechs Jahren die Freie Universität Berlin auf Exzellenz bürstete, auch erstaunlich passiv. Aber vielleicht ist es gut und sinnvoll, dieses große Wort Hoffnung vor Augen zu haben, wenn man eine so gewaltige Aufgabe zu bewältigen hat wie er: Als neuer Kapitän der Universität Hamburg soll der 62-Jährige das Dickschiff aus schwierigen Gewässern manövrieren. Manche sagen: Aus höchster Seenot retten. Denn wohl kaum eine Universität wurde in den vergangenen Jahren so vom Reform-Sturm gebeutelt wie diese.

Lange hatten Politik und Hochschulen in Deutschland die Bildungsexpansion verschlafen. Allein in den Achtziger Jahren war die Zahl der Studierenden um 70 Prozent gestiegen, die der Professoren aber nur um sieben. Seminare mit 80 Leuten und Vorlesungen mit Hunderten waren (und sind) sind keine Seltenheit. Von einer “Universitas der Lehrenden und Lernenden”, die im Humboldtschen Sinne gemeinsam ihren Horizont erweitert, konnte schon lange nicht mehr die Rede sein. Chronisch überlastet und erschreckend unterfinanziert mäanderten die Universitäten vor sich hin. Die Absolventen seien zu alt, die Abbrecherquote zu hoch, das Studium zu praxisfern klagten Wirtschaft und Bildungsexperten. Lange passierte nichts – bis die EU-Bildungsminister 1999 im Italienischen Bologna eine Erklärung unterzeichneten. Darin vereinbarten sie, einen europäischen Hochschulraum zu schaffen. Ein zweistufiges Studiensystem mit den Abschlüssen Bachelor und Master sollte entstehen, Studienleistungen durch ein Punktesystem vergleichbarer werden. Rechtlich bindend war die Erklärung nicht. “Erst die Bundesländer gossen sie in Gesetze und verpflichteten damit die Hochschulen, sie umzusetzen”, erklärt die Hamburger Politologin Katrin Toens, die über Veränderungen der Hochschulpolitik im Bologna-Prozess forscht.

Im Namen Europas tat sich nun plötzlich die Chance auf, en passant auch andere Ideen zu verwirklichen. Bologna wurde zu einem Vehikel, um Ziele durchzusetzen, die mit Europa gar nichts zu tun hatten. Zum Beispiel die Verkürzung der Studienzeit. Bereits 1966 hatte der Wissenschaftsrat vorgeschlagen, das Universitätsstudium in zwei Abschnitte zu gliedern. Die Masse sollte zügig durch die Universität geschleust werden, das wissenschaftliche Studium dagegen einer kleinen Elite vorbehalten sein. Zusätzlich empfahl das Gremium, Bummelanten an die Kandare zu nehmen: Überschritten sie die Regelstudienzeit, sollte das mit Zwangsprüfung und Exmatrikulation geahndet werden. Alle Versuche, die Vorschläge umzusetzen, scheiterten jedoch. Die Expertise verschwand in der Schublade – vergessen war sie jedoch nicht. “Bestimmte Kräfte in den Ministerien haben in den vergangenen Jahrzehnten immer mal wieder Vorstöße zur Studienzeitverkürzung unternommen”, sagt Toens. “Aber erst die Europäisierung gab den Rückenwind, diese und andere Ideen auch durchzusetzen.” Anders als in den USA oder in Großbritannien, wo vierjährige Bachelor-Studiengänge die Regel sind, etablierten die meisten Bundesländer ein dreijähriges Modell – die ersehnte Verkürzung war erreicht. Und wie: Hatten die Deutschen einst mit die ältesten Uniabsolventen der Welt, so sind es nun mit die jüngsten. Auch in anderer Hinsicht scheint an der neuen alma bolognese genau das Gegenteil von dem richtig zu sein, was zuvor gegolten hat: Früher studierten die Hochschüler wie sie wollten, heute stecken sie in einem engen Korsett von Pflichtveranstaltungen. Früher fehlte es an Leistungskontrollen, heute reiht sich Klausur an Klausur. Früher bestimmten Professoren, Mitarbeiter und Studierenden in den universitären Gremien mit, heute entscheiden Präsidien, Dekanate und externe Hochschulräte. Früher forschten Wissenschaftler “einsam und frei und”, heute müssen sie Drittmittel werben und Exzellenz beweisen. “Nirgendwo sonst in Europa ist so brachial mit den universitären Traditionen gebrochen worden wie bei uns”, resümiert Reinhard Kreckel, Direktor des Instituts für Hochschulforschung in Halle-Wittenberg.

Die Reformen variierten jedoch in Tempo und Intensität. “Im Namen der Autonomie machte jedes Bundesland sein eigenes Ding”, sagt Kreckel. Es gebe in Deutschland so viele Bolognaprozesse “wie es Hochschulen gibt”, konstatiert Toens. In Hamburg waren die Einschnitte besonders tief, denn der junge, parteilose Wissenschaftssenator Jörg Dräger – 2001 von CDU-Bürgermeister Ole von Beust ins Amt gebracht – verwandelte die Universität in ein gigantischen Experimentierfeld. Für den ehemaligen Unternehmensberater standen Leistung und ökonomische Verwertbarkeit stets im Vordergrund: So sollte nicht jeder Bachelorabsolvent zum weiterführenden Master-Studium zugelassen werden, nicht jeder Professor die gleiche Stundenzahl mit Lehre verbringen müssen. Außerdem wollte Dräger Fächer stärken, die dem wirtschaftlichen Bedarf der Region entsprechen, wie die Logistik oder die Luftfahrt. Die in Hamburg traditionell starken Geisteswissenschaften passten nicht zu dem anvisierten neuen Profil, also schwenkte Dräger den Rotstift: die Hälfte der 155 Professorenstellen wollte er streichen. Kleine Refugien wie die Vietnamistik und die Äthiopistik, aber auch die größeren Islamwissenschaften und die international renommierte Sprachlehrforschung wären am Ende gewesen. Erst als die Professoren vehement protestierten und die Feuilletons republikweit vermeldeten, an der Elbe sei das Ende der Geisteswissenschaften zu bestaunen, rückte Dräger von seinen Plänen ab. Erfolgreicher war er bei der Veränderung der Grundstrukturen. So verschmolz der emsige Senator die vormals 18 Fachbereiche zu sechs Fakultäten, manche so groß wie kleine Hochschulen. Die Weisungsbefugnisse des Präsidenten beschnitt er, ebenso das Mitspracherecht der Fakultätsräte. Die Dekane können nun frei schalten und walten. Nach dem Hamburger Hochschulrecht sind sie auch keine Hochschullehrer mehr, sondern Verwaltungsleute. Das wiederum macht den Posten für renommierte Wissenschaftler uninteressant. Ausgerechnet die Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften – mit rund 10 000 Studierenden Deutschlands Größte – ist seit drei Jahren führungslos. “Das Management unserer Mammut-Fakultät hat bisher noch jeden Dekan überfordert”, sagt der Hamburger Journalistik-Professor Siegfried Weischenberg.

Auch mit der Einrichtung eines externen Hochschulrates griff Dräger in die demokratischen Strukturen der Universität ein. Mittlerweile gibt es diese Gremien in allen Bundesländern. Ähnlich einem Aufsichtsrat bei Unternehmen soll ein Hochschulrat das Management der Universität kontrollieren: Er bestimmt deren strategische Steuerung, genehmigt die Etats der Fakultäten und wählt den Hochschulleiter. Der Akademische Senat darf lediglich zu stimmen. Das bedeutet eine radikale Abkehr vom alten Modell: Früher wurde der Hochschulleiter nach dem Prinzip “primus inter pares” von seinesgleichen gewählt. Im Elfenbeinturm blieb man gemütlich unter sich – nun wird von außen hinein regiert, denn in den Hochschulräten sitzen neben Professoren auch Wirtschaftsvertreter. Die sind allerdings auch kein Garant dafür, dass die Leitungsfunktion immer an die Richtigen geht. In Hamburg gelangte 2006 die Stuttgarter Raketenwissenschaftlerin Monika Auweter-Kurz auf den Präsidentenstuhl – und schaffte es binnen kurzer Zeit, den Rest der Universität gegen sich aufzubringen. Das gelang, in dem sie zum Beispiel öffentlich für den unbeliebten Komplettumzug der Universität aus dem Stadtzentrum in die entlegene Hafencity eintrat. Nach einem kritischen Fernsehbeitrag teilte die resolute Süddeutsche den Unimitarbeitern mit, dass sie mit Journalisten nur noch nach Rücksprache mit der Pressestelle reden dürften. Einer in dem Beitrag auftauchenden Dozentin wurde der Lehrauftrag entzogen. Selbst gestandene Professoren fürchteten die Uni-Chefin nun. “Große Verunsicherung machte sich in der Hochschullehrerschaft breit”, erinnert sich Weischenberg. “Keiner wusste mehr, wie es weitergeht und wie er sich verhalten soll.” Im Frühjahr 2009 eskalierte die Situation: 120 Professoren unterschrieben einen Aufruf zur Abwahl von Auweter-Kurz, fünf von sechs Dekanen gaben in einem Brief ihre “Unzufriedenheit mit der Führungsqualität” bekannt. Nirgendwo zuvor in Deutschland hatten sich bis dato Professoren und Hochschulleitung derart befehdet. Im Juli gab die Präsidentin schließlich auf. “Raketen-Moni abgeschossen”, höhnte der Boulevard. Auweter-Kurz hatte übersehen, dass sich eine Universität nicht autokratisch führen lässt und freie Geister Freiraum brauchen.

Seit März diesen Jahres soll es nun der Erziehungswissenschaftler Lenzen richten. Die Fehler seiner Vorgängerin wird er nicht machen, dazu ist er zu erfahren, zu eloquent. Für die Reform der FU Berlin zeichnete ihn das Centrum für Hochschulentwicklung 2008 als “Hochschulmanager des Jahres” aus. In Hamburg wartet viel Arbeit auf ihn: Die Universität ist mit 39 000 Studierenden die fünftgrößte in Deutschland, kann aber nur sechs Sonderforschungsbereiche vorweisen. Zudem brachte die Exzellenzinitiative lediglich ein Forschungscluster. Die FU, zum Vergleich, verfügt über acht Sonderforschungsbereiche und drei Cluster. Dieter Lenzen, randlose Brille, tadelloser Anzug, goldene Manschettenknöpfe, empfängt in seinem Amtszimmer zum Interview. Aus Berlin eilt ihm der Ruf voraus, ein harter Knochen zu sein, doch in Hamburg schlägt er ruhige Töne an. “Die Universität befindet sich in einem Burn-Out-Zustand”, stellt der Präsident mit sanfter Stimme fest und faltet seine langen blassen Finger auf den Tisch. “Seitens der Professoren gibt es eine Sehnsucht nach Planungsruhe, in der man schlicht das machen kann, wofür man da ist – nämlich Wissenschaft.” Dieser Sehnsucht wolle er nachgeben, sagt Lenzen. Erst einmal.

Senator Dräger und Präsidentin Auweter-Kurz hatten versucht, die Universität nach extern getriebenen Grundsätzen umzukrempeln und dabei vergessen, Hochschullehrer wie Studierende einzubinden. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel der Friedrich-Schiller-Universität (FSU) in Jena. Hier sind die Bolognavorgaben mit mehr Augenmaß umgesetzt worden. Allerdings könnten die Ausgangspositionen kaum unterschiedlicher gewesen sein: In Hamburg entstand die Universität – nach langem Widerstand der Kaufmannschaft – erst 1919. Bis heute spielt sie im öffentlichen Leben der Stadt nur eine marginale Rolle. Jenas Universität dagegen feierte 2008 ihren 450. Geburtstag. Ende des 18. Jahrhunderts lehrten hier Geistesgrößen wie Hegel und Schiller, sie machten das Saalestädtchen für einige Zeit zu Deutschlands intellektuelles Zentrum. Darauf sind die Jenenser noch heute stolz. Im Jahr 1866 schrieb dann ein Mechanikermeister Geschichte: Carl Zeiss revolutionierte gemeinsam mit dem Physikprofessor Ernst Abbe den Herstellungsprozess von Mikroskopen, ein weltweit agierendes Optikunternehmen entstand. Zu DDR-Zeiten blieb Jena ein Vorzeige-Ort, der VEB Carl Zeiss und die Universität arbeiteten zusammen. Auch heute ist der unternehmerische Erfolg der Region eng mit der Hochschule verbunden. “Stadt, Universität und Wirtschaft ziehen an einem Strang, das prägt das Klima,” sagt Klaus Dicke, 56. Der Politikwissenschaftler kam 1995 aus Mainz an die FSU, seit 2004 ist er deren Rektor. Zum weißen Hemd trägt er einen grauen Pullover und ein dunkelgraues Jackett. Seine braunen Haare sind mit weißen Strähnen durchsetzt und ein wenig über die Ohren hinaus gewachsen. “Hier in Jena käme keiner auf die Idee, die Universität herunter zu reden”, fügt er hinzu und blinzelt freundlich durch seine silberne Brille.

So hielt man auch zusammen, als der Bolognaprozess über Europa, Deutschland und den Freistaat Thüringen hereinbrach. Damals hatte die FSU gerade erst eine riesige Reform hinter sich gebracht: Wie überall im Osten war sie nach der Wende auf das westdeutsche System umgestellt worden. Das hieß: neue Studiengänge, neue Hochschulgesetze, neue Abschlüsse (in der DDR hatte es weder Magister noch Staatsexamen gegeben), neue Strukturen und neues Personal. Ein unglaublicher Kraftakt, der alle Beteiligten viel Zeit und Ressourcen kostete. Entsprechend gering war die Begeisterung, als 1999 die nächste Reform ins Haus stand. “An der Universität waren sich alle einig: Wir starten keine Schnellschüsse”, erinnert sich Dicke. Die Fallstricke des Bachelor-Master-Systems kannte man aus der Nachbarschaft: Die 1994 eröffnete Universität Erfurt experimentierte von Anfang an mit den angelsächsischen Abschlüssen. Und noch einen Vorteil gab es in Jena: “Viele unserer Dekane und Professoren waren reformerprobt. Sie wussten, welche Schritte zu tun waren.”

Was bedeuten Bachelor und Master für die Studieninhalte? Welche akademische Qualifikation wollen wir? Was heißt überhaupt “universitäre Bildung”? Solche Fragen hatten bei der öffentlichen Diskussion zu Bologna kaum eine Rolle gespielt. In Jena beauftragte Rektor Dicke 2005 eine Kommission, bestehend aus drei Professoren, einem Studenten und dem damalige Prorektor für die Lehre, dem “Spezifikum universitärer Bildung” nachzugehen. Die Manuskripte für die daraus entstandene Denkschrift wurden allen Professoren zur Durchsicht vorgelegt, Kommentare weitgehend eingearbeitet. Das war Dicke wichtig. “Es gibt Rektoren, die wollen sich selbst verwirklichen und handeln ohne Rücksicht auf Verluste”, sagt Matthias Ruffert, Professor für Rechtswissenschaft und einer der lokalen Vertreter des Deutschen Hochschulverbandes, der Standesvertretung von Professoren. “Das ist hier zum Glück anders. Herr Dicke setzt auf Konsens.” Der kooperative Umgang habe nicht unbedingt etwas mit den Gesetzen zu tun, sondern sei eine “Frage des Stils”. So gibt es auch in Jena einen Hochschulrat, den Akademischen Senat würde aber trotzdem keiner übergehen. Ruffert: “Alles andere würde Unruhe schaffen. Und letztlich stimmen die Leute mit den Füßen ab: Wer unzufrieden ist und einen Ruf erhält, geht weg.”

Die Quote der Professoren, die trotz Berufung bleiben, ist in Jena relativ hoch. Auch ansonsten steht die FSU ganz gut da: Sie verfügt über vier Sonderforschungsbereiche und eine Graduiertenschule. 21 000 Studierende zählt sie, zu Wendezeiten waren es gerade mal 5000. Und im vergangenen Wintersemester kamen bereits 18 Prozent der Studienanfänger aus dem Westen. Deren Anteil könnte bald noch steigen, denn in den nächsten Jahren entlassen insgesamt sechs Bundesländer ihre doppelten Abiturjahrgänge. Bis 2020 rechnet die Kultusministerkonferenz mit weit mehr als einer Million zusätzlichen Studienberechtigten. Die Universitäten sind auf diese Welle bisher nur mäßig vorbereitet. “Es gibt bei manchen die Neigung, den Ansturm als kurzfristiges Phänomen zu betrachten, das man aussitzen kann”, sagt Christoph Berthold vom Centrum für Hochschulforschung (siehe Interview). Ab 2020 wartet die nächste Herausforderung: der demographische Wandel. “Um zukunftsfähig zu bleiben, müssen sich die Universitäten neuen Gruppen öffnen”, fordert Berthold. Für Kinder aus bildungsfernen Schichten, für Berufstätige, für studierende Eltern. Sie alle benötigen jedoch andere Angebote, als die Universitäten sie bislang bieten. Der Wandel – er hat gerade erst begonnen.

In Hamburg will sich der neue Universitätspräsident auf die Aufgaben im hier und jetzt konzentrieren. Da ist zum einen die Reform der Bologna-Reform: Lenzen möchte die Bachelor-Studiengänge entschlacken und auf acht Semester ausdehnen, zumindest in solchen Fächern, die nicht berufsvorbereitend sind: “Nehmen Sie die Philosophie. Wer das studiert, will das Fach in seinem Kopf abbilden”, sagt er. “Dazu passen die straffen Lehrpläne nicht, die wir uns ohne Not übergestülpt haben.” Zweitens hat er der Universität einen Imagewandel verordnet. Die Hochschule soll im öffentlichen Leben der Stadt präsenter werden. Vorsorglich steckt schon mal ein Pin mit dem Uni-Logo am Präsidentenrevers. Drittens soll die Universität bei der nächsten Exzellenzinitiative stärker punkten, um die Finanzlage zu verbessern und “die Hamburger Stimme zu erheben”. Und viertens: Die Demokratie. Lenzen stellt den Hochschullehrern wieder stärkere Mitspracherechte in Aussicht, zumindest an den Fakultäten: “Wenn Sie möchten, dass eine Universität Leistung für die Gesellschaft erbringt, dann müssen die Leute, von denen diese Leistung erwartet wird, auch die Prozesse mit gestalten können”, formuliert er etwas umständlich. Die Professoren werden es trotzdem gerne hören. In Hamburg gilt es nun wieder, das Prinzip Hoffnung.


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Yvonne Walden (41334 Nettetal) 10.06.2010
“Seitens der Professoren gibt es eine Sehnsucht nach Planungsruhe, in der man schlicht das machen kann, wofür man da ist – nämlich Wissenschaft.” Zitatende. -Dieser Sehnsucht wolle er nachgeben, sagt Lenzen. Erst einmal.
Den auf Lebenszeit beamteten Professorinnen und Professoren wäre eine "Rückkehr ins Paradies" natürlich am allerliebsten. Also, eine möglichst geringe Lehrverpflichtung (vier bis maximal sechs Semesterwochenstunden) und möglichst viel Zeit zum "Forschen".
Nur, wo bleiben denn die Ergebnisse dieser massenhaften Forschung in Deutschland? Allein hierzulande arbeiten und "forschen" tausende von Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern. Wo bleiben die Erfindungen und Patente, die in Wahrheit überwiegend im Ausland angemeldet werden, also von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern außerhalb Deutschlands. Sicherlich, nicht wenige deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler publizieren in renomierten Wissenschaftsjournalen. Für wen eigentlich? Und wer liest dies alles? Deshalb wäre es längst an der Zeit, auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland nicht mit einem Festgehalt auf Lebenszeit zu besolden, sondern wirklich leistungsgerecht zu bezahlen, wobei es vielfältige Parameter zur Leistungsmessung gäbe - auch im Hochschulbereich. Nur fehlte der Politik bisher der Mut, das deutsche Hochschulsystem wirklich grundlegend zu reformieren und es für den Bologna-Prozeß fit zu machen. Eine Herkulesaufgabe, an der sich schon viele versucht, die meisten jedoch kläglich gescheitert sind.
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