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CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe
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09.05.2010
Nicht mal das richtige Bier
von David Harnasch und Jessica Vanscheidt

Bei der Hochsicherheitswahlparty der CDU im Adenauerhaus kam keine rechte Stimmung auf: Nach dem desaströsen Ergebnis fiel die Basis in kollektive Lethargie. Jessica Vanscheidt und David Harnasch konnten den Unmut über Rüttgers dennoch deutlich spüren.

Vorläufiges amtliches Endergebnis

Cicero Online war auf den Wahlpartys in den Parteizentralen:
Bei der SPD: Die rote Braut - bestellt, aber wer holt sie ab?
Bei der FDP: "Wir haben verstanden"
Bei den Grünen: Die vernünftige Wahlparty
Bei den LINKEN: Langeweile & Bratwürste


Die Bundes-CDU gibt sich nicht sehr einladend am Wahlabend: Erst nach einer zweistufigen Sicherheitskontrolle, die am Tel Aviver Ben-Gurion-Flughafen nicht härter ausfällt, erhält man Eintritt zur Wahlparty im Adenauerhaus.

Die Zusammensetzung der Gäste ist homogen bis inzestuös: Auf einen Sympathisanten kommen geschätzt drei Journalisten. Die plündern stereotypengerecht das Buffet, während bei den Parteifreunden vor Anspannung kein rechter Appetit aufkommen will. Die Basis zeigt sich außerdem enttäuscht von der Getränkeauswahl: Statt dem Kölsch, das zur letzten NRW-Wahl ausgeschenkt wurde, gibt es Radeberger - Indiskutabel. Zufriedener ist ein Stadtrat aus Sachsen-Anhalt mit der Parteivorsitzenden, die lediglich die Liberalen enger an die Kette legen sollte. Er rechnet zwar mit einem schlechteren Ergebnis als beim letzten Mal, sieht die Schuld dafür aber bei der FDP, die „unter Realitätsverlust“ leide. Folgerichtig wünscht er sich neue Perspektiven durch ein schwarz-grünes Bündnis unter Rüttgers.

Das Thema Griechenland ist wenig kontrovers, niemand sieht hier große Versäumnisse bei der Regierung. Der Grund für den verhaltenen Pessimismus der Gäste ist die katastrophale Kaderdisziplin bei den Freunden in NRW: Die Indiskretionen der vergangenen Wochen würden sich auswirken. Wie sehr, ahnte aber offensichtlich kaum jemand. Als um 18 Uhr die ersten Hochrechnungen über die Monitore flimmern, herrscht lange Grabesstille. Bis ein sichtlich enttäuschtes Basismitglied zur Traumabewältigung übergeht: „Komm, dann trinken wir doch noch einen Wein.“ Sein Parteifreund bestätigt resigniert mit dem S-Wort.

Jemand versucht sich in Galgenhumor: „Vielleicht muss man NRW opfern und Rot-Rot-Grün einfach mal ein Land gegen die Wand fahren lassen. Andererseits kann man dafür auch keine siebzehn Millionen Leute ins Unglück stürzen.“ Der Stadtrat analysiert die Ausgangslage: „Menschen sind empfänglich für schwarz-weiß, keine Grautöne. Wenn man Sachverhalte nicht entsprechend runterbrechen kann, ist man nicht geeignet zum Politiker in Zeiten, in denen alle Parteien Volksparteien sein wollen. Aber nur Schäuble gehört noch zu denen, die das beherrschen.“

Nach einer halben Stunde betritt Generalsekretär Herrmann Gröhe die Bühne und versichert in dürren Worten die Solidarität der ganzen Partei mit dem Verlierer des Abends. Den interessanteren Anblick bietet in dieser Sekunde die Basis, deren Mimik reicht von Augenrollen bis zu blankem Ekel. Sein Auftritt wird von genau zwei Anwesenden beklatscht. Bis denen ihre Außenseiterrolle nach unendlich langen zehn Sekunden zu peinlich wird. Kein Vergleich zum bizarren Jubel, mit dem die Verlierer der Bundestagswahl im Willy-Brandt-Haus gefeiert wurden.

Als die beiden Gewinnerinnen des Abends freudestrahlend ihre Dreiminüter aufsagen, baut sich einer der Sicherheitsgorillas neben dem Plasmafernseher auf. Doch selbst ein Auftritt Sahra Wagenknechts vermag niemanden mehr in Rage zu versetzen. Es werden viele Schnittchen übrig bleiben. Aber wohl nur wenig Bier. Auch wenn es das falsche ist.


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Leserkommentare
Walter Schmidt (Leipzig) 10.05.2010
Wenigstens Kölsch hätten sie ausschenken können, finde ich!
ivo bozic (berlin) 09.05.2010
der harnasch hat keine ahnung von bier!
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