09.07.2010
Interview mit Rebecca Hall
Das Fräuleinwunder Rebecca Hall im Gespräch über sehr viele weibliche Brüste, ihre liebsten Horrorfilme und ihre Rolle im gerade erschienenen Film „Please give“.
Mrs. Hall, sie stehen mittlerweile für Woody Allen oder Christopher Nolan vor der Kamera, zusammen mit Schauspielern wie Christian Bale oder Scarlett Johannson. Für „Please Give“ gab es bekanntlich ein winziges Budget und äußerst mickrige Gagen. Warum tut sich eine Dame in Ihrer Position noch so etwas an?
Ja, ich gebe zu, das war alles ziemlich ungewöhnlich. Es gab weder Umkleidekabinen noch Wohnwagen, wenn ich mal meine Ruhe haben wollte, musste ich aufs Dach klettern oder raus auf die Straße gehen. Aber das alles hat es sehr gemütlich gemacht, irgendwie. Und ich habe Nicole Holofcener, die Regisseurin, nun mal so schrecklich gerne. Ich glaube wir alle haben es dem Nicole-Faktor zuliebe getan, der ist unbezahlbar.
Wie genau wirkt denn der „Nicole-Faktor“?
Na ja, er macht ein Filmset ziemlich schnell zu einem Mädchenpicknick. Nicht, dass es nicht trotzdem effizient und konzentriert vor sich ginge, aber es macht einfach alles sehr viel mehr Spaß als in Hollywood. Nicoles Emotionale Intelligenz ist bemerkenswert. Man murmelt irgendetwas im vorbeigehen, und zwei Wochen später analysiert sie dir deine Tagesverfassung, indem sie sich auf den Kommentar von damals bezieht und mit deinem Satz heute am Frühstück subtrahiert, und zack, sie liegt immer richtig. Außerdem sind Ihre milde Ironie und ihr feiner Sinn für Humor so komisch, dass ich oft nicht weiterspielen konnte, weil ich vor Lachen so geheult habe.
Dabei ist Rebecca, Ihre Figur im Film, ziemlich spaßbefreit: Ein Mädchen, dass ihre Jugend pflichtbewusst für die bösartige Großmutter aufopfert.
Ja, schon wieder eine nette Rolle. Dabei will ich schon seit langem endlich einmal den Bösewicht spielen, bisher hat es noch nicht funktioniert.
Rebecca arbeitet außerdem in einer Frauenarztpraxis. Die Kamera zeigt zum Einstieg dutzende, nackte Busenpaare die zur Brustkrebskontrolle freigelegt, und anschließend mutig von einer Frauenhand angehoben werden. War das ihre Hand?
Ja, kein Double, das war meine Hand. Eine völlig bizarre Situation. Wir waren ziemlich unter Zeitdruck, Nicole hatte irgendwo 15 Frauen aufgetrieben die bereit waren mitzumachen, die standen dann Schlange, und mussten sehr schnell hintereinander ihre Busen auf die Theke klatschen, eine nach der anderen, sie haben keine Ahnung was für ein merkwürdiger Arbeitstag das für mich war...
Wäre es, angesichts der verblüffenden Unterschiedlichkeit der diversen Brustpaare, Blödsinn zu behaupten, dass Busen einen Charakter haben?
Haha, interessante Frage. Also, an diesem Drehtag habe ich, da bin ich ganz sicher, mehr Busen gesehen als ich für den Rest meines Lebens sehen werde, und ich glaube sie haben Recht. Mit Busen ist es so....Ach, hören sie schon auf, ich sehe ihrem Gesicht doch an wie unendlich peinlich ihnen das Thema eigentlich ist.
Der Film beschäftigt sich unter anderem auch mit dem Ideal der Schönheit. Haben sie schon schlechte Erfahrungen mit der Schönheitsobsession Hollywoods gemacht?
Ich glaube es ist vollkommen unvermeidlich, dass Hollywood und übrigens auch der Rest der Welt das, was sie attraktiv finden, auf die Leinwand projizieren will. Das ist Teil der Transaktion und völlig normal. Beruhigenderweise geht es im Kino aber keineswegs um Perfektion. Die ist nur auf Fotos spannend. Models auf der Leinwand wären in ihrer makellosen Symmetrie schlichtweg langweilig. Die Gesichter im Film, gerade die attraktiven, haben dagegen oft etwas unregelmäßiges, geradezu Schräges an sich, erst das macht sie faszinierend.
Sie hatten gerade einige freie Stunden in Berlin, erkennt man sie hier schon auf der Straße wieder?
Nein, das kommt eigentlich ohnehin so selten vor, dass ich es kaum wahrnehme. Außerdem saß ich vor allem im Auto. Ich habe den Fahrer gebeten, mir eine Stadtrundfahrt zu geben, er war ein reizender Kerl, seine Familie kam aus der DDR, er hat mir das Holocaust Mahnmal und das Checkpoint Charlie Museum gezeigt...Solltest du das jemals lesen: Danke für alles, Thomas!
Wo genau leben sie momentan?
Wenn ich das selber wüsste. Ehrlich gesagt, nirgendwo, ich bin jedenfalls nicht nach Hollywood gezogen. Momentan lebe ich aus meinen Koffern, seit anderthalb Jahren.
Aber wo horten sie ihre Habseligkeiten, ihre Bücher?
In einem Möbeldepot, was mich schon seit längerer Zeit sehr nervös macht. Weil - gut erkannt - alles andere ist mir relativ egal, aber meine Bücher liegen mir wirklich sehr am Herzen. Können wir bitte aufhören darüber zu sprechen, sonst werde ich verrückt.
Ganz andere Frage: Sind sie eigentlich jemals im Film umgebracht worden?
Ich glaube nicht. Ah, doch. Doch! Kann ich das verraten? Sie haben den Film noch nicht gesehen, ich will das Ende nicht versauen.
Bitte.
Red Riding. In der Krimitrilogie Red Riding sterbe ich, im ersten Teil. Der Film erscheint noch. Was ist das eigentlich für eine finstere Frage?
Wie genau war das?
Man sieht es, um ehrlich zu sein, nicht wirklich. Es gibt eine sehr unappetitliche Szene, mit viel Blut, heraus gebrochenen Zahnprothesen und so, aber das ist eine Traumsequenz, die gilt nicht.
War das ihre erste Berührung mit Filmblut?
Meine erste. Großartig. Ich liebe Horrorfilme.
Haben sie eine Top Drei?
Schwierig, schwierig. Ok, Rosemarys Baby ist die Nummer Eins. Dann...Oh es gibt so viele, viel zu viele. Ich mag Suspiria von Dario Argento. Und natürlich „The Haunting“ von Robert Wise. „The Changeling“ von Medak war auch fantastisch. Und dann gibt es noch diesen merkwürdigen Film aus den 70ern, den kaum jemand kennt, „Burnt Offerings“, ich hab mir in die Hosen gemacht vor Angst, unbedingt anschauen! Ich bin so ein Film Geek, es ist schrecklich. Nur auf diese Folter-Porno-Metzel Sachen, auf die stehe ich nicht so.
Danke sehr für das Gespräch!
Das Interview führte Constantin Magnis
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